Wie du eigene Bedürfnisse einfach erkennen kannst

Mal wieder schlecht gelaunt. Nix ist recht, der Tag wird einfach nicht besser und Kleinigkeiten bringen das Fass zum Überlaufen. Erkennst du dich wieder?

eigene bedürfnisse erkennen

Manchmal scheint uns, eine Regenwolke durch den Tag zu folgen.

Wenn ich in so einer Situation bin, stelle ich mir die Frage:

„Welches Bedürfnis von mir kommt gerade zu kurz und will beachtet werden?“

Der Fokus auf deinem Bedürfnis, hilft dir deine Gefühle anzunehmen und gibt dir Energie, diese Situationen zu bewältigen und Frust loslassen.

Where the attention goes,
there the energy flows.

Bist du einmal bei einem stimmigen Bedürfnis angekommen, machst du dich außerdem unabhängig von konkreten Strategien und erweiterst so deinen Handlungshorizont. Mehr dazu und zwei Schritte, um eigene Bedürfnisse zu erkennen findest du in diesem Beitrag. (Investiere ca. 5 Minuten)

Viele Wege führen zum Bedürfnis. Manche Menschen können von ihrem Gefühl ableiten, was sie gerade brauchen. Diese Fähigkeit ist manchen gegeben, andere können sie entwickeln. Bist du ein eher rationaler Mensch, wirst du von den nächsten zwei Schritten profitieren:

 

#1 Vorwürfe oder Bewertungen umdrehen

Frust, Ärger, Scham – menschliche Gefühle gehen oft mit inneren Monologen einher. Es schwatzt praktisch in dir. Die ständige Begleitmusik in deinem Leben.

Wenn du frustriert bist, ist dieser innere Diskurs der Schlüssel zu deinem Bedürfnis.

Stell dir eine frustrierende Situation vor. Welche Gedanken hattest du in diesem Moment?

(Nimm dir kurz Zeit einen Gedanken zu identifizieren).

Gehen wir zur Veranschaulichung davon aus, du hattest folgenden Gedanken: Jemand sei rücksichtslos oder du selbst inkompetent.

Du kannst diese Bewertungen jetzt umdrehen, um Information zu gewinnen, was du eigentlich willst:

Inkompetent wird zu kompetent.
Rücksichtslos wird zu rücksichtsvoll.

Von hier an ist es einfach, das Bedürfnis zu erraten:
Dir ist Kompetenz wichtig?
Dir ist Rücksichtnahme wichtig?

(Versuche den selben Prozess mit deinem Gedanken.)

Nicht alle Urteile lassen sich so einfach umdrehen und ergeben dabei ein stimmiges Bedürfnis. Deswegen gibt es einen zusätzlichen Schritt:

 

#2 Schleifen einbauen

Ein Gedanke, der nach dem Umdrehen keinen Sinn ergibt, ist zum Beispiel: “Du bist egoistisch”. Das Gegenteil von egoistisch ist selbstlos. Mir ist Selbstlosigkeit wichtig? Naja.

Manche wären hier vielleicht schon am Ziel. Für mich jedoch löst das Wort eher Verwirrung als Klarheit aus. Deswegen kannst du hier eine zusätzliche Schleife einlegen. Das funktioniert folgendermaßen:

  • Schritt eins du bildest das Gegenteil.
  • Schritt zwei du prüfst ob es Sinn ergibt.
  • Wenn ja, bist du am Bedürfnis angelangt. (Siehe Beispiel oben.)
  • Wenn nein, baust du eine zusätzliche Schleife ein, in dem du fragst:

Frage: Was würde es mir bringen, wenn mein Gegenüber selbstlos wäre?

Beispiel:
Du bist egoistisch.
Gegenteil: Du bist altruistisch. Ist stimmig? Nein.
Was bringt es mir, wenn er altruistisch wäre?
Dann würde er meine Bedürfnisse berücksichtigen. Stimmig? Noch nicht ganz.
Was bringt es mir, wenn er meine Bedürfnisse berücksichtigt?
Dann zählen meine Bedürfnisse genau so viel, wie seine Bedürfnisse. Stimmig? Ja das wäre jetzt stimmig für mich.

Wenn es für dich an dieser Stelle immer noch kein stimmiges Bedürfnis ergeben würde, frage einfach weiter. Was würde es dir bringen, wenn deine Bedürfnisse genau so viel zählen, wie seine?

 

#3 Eigene Bedürfnisse zu erkennen erweitert deinen Handlungsspielraum

Den Handlungsspielraum erweitern? Wie soll das gehen? Ganz einfach: Wir machen uns oft von Strategien abhängig.

Strategien und Bedürfnisse sind zwei Paar Schuhe.

Ein Bedürfnis kann von vielen Strategien erfüllt werden.
Eine Strategie ist nur eine Weise von vielen, ein Bedürfnis zu erfüllen.

Stell dir das Bedürfnis “Ruhe” vor. Wie viele Strategien fallen dir ein, dieses Bedürfnis zu erfüllen?

  • Lesen
  • Schlafen
  • Spazieren gehen
  • Film schauen
  • Musik hören
  • Musizieren
  • Fernsehen

… (Platz für dein eigenes Brainstorming)

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Eine Strategie, um sich Ruhe zu gönnen.

Wir alle haben bevorzugte Strategien. Zum Beispiel Filme schauen, um zu entspannen.
Sollte deine Lieblingsstrategie einmal nicht möglich sein, erweitert die Unterscheidung deinen Handlungsspielraum. Du kannst z.B. eine andere, zweitbeste Strategie finden. (Anstatt zu fernsehen, z.B. ein nettes Gespräch mit einem Freund oder Partner, um sich zu entspannen.)

Willst du ganz sichergehen, dass du Bedürfnisse nicht mit Strategien verwechselst?

Anhand dieser Kriterien kannst du Bedürfnisse von Strategien unterscheiden:

Bedürfnisse:

  • sind abstrakte Wünsche. Du kannst sie nicht angreifen/berühren (Film vs. Entspannung)
  • haben keinen Bezug zu einer Person, Zeit oder Ort. (Ich will mich auf der Couch entspannen vs. Ich will mich entspannen)
  • sind allgemein verständlich und anerkannt. (Ich verstehe, was es heißt, sich nach Kompetenz zu sehnen).

Diese Tabelle soll die Kriterien veranschaulichen:

Fernsehen Fernsehen um 20:00 Uhr Status Entspannung
1. Abstrakt? Nein Nein Ja Ja
2. Kein Bezug zu Zeit, Ort oder Person? Ja Nein Ja Ja
3. Allgemein anerkannt? Ja/Nein Ja/Nein Ja/Nein Ja

Tabelle: Wünsche (Spalten) sind den Kriterien (Zeilen) zugeordnet. Ja bedeutet, Kriterium für Bedürfnis ist erfüllt. Nein bedeutet nicht erfüllt (dh. es handelt sich um eine Strategie).

Beim dritten Kriterium gibt es meistens keine eindeutige Antwort, ob ein Bedürfnis allgemein anerkannt ist oder nicht. Es geht mehr um Tendenzen.
Ist es für die Allgemeinheit anerkannt, sich nach Entspannung zu sehnen? Ja. Und Status? Meine Antwort ist nein. Es gibt aber auch hier kein richtig und falsch. Entscheide für dich selbst, ob Status ein Bedürfnis ist, das dein Leben reicher macht. 😉

 

Fazit

Mithilfe dieser Strategien und der Unterscheidung zwischen Strategie und Bedürfnis, kann ich mich relativ schnell mit meinen Bedürfnissen verbinden. Das hilft mir, enorm präsent zu bleiben und Frust schnell loszulassen. Außerdem erweitert es meine (bewussten) Wahlmöglichkeiten.

Manchmal gehen die Wogen hoch und du bist tief in Emotionen verstrickt. Dann finde ich es hilfreich, für kurze Zeit meinen Atem zu beobachten und etwas lockerer zu werden. Erst dann gehe ich durch diesen Prozess. (Vorher wirst du dich wahrscheinlich sowieso nicht dazu bringen können.)

Wie geht es weiter, nachdem du mit deinen Bedürfnissen Kontakt aufgenommen hast? In diesem Artikel findest du Wege, deine Sehnsüchte besser zu erfüllen.

Was sind deine Strategien, um deine Bedürfnisse zu erkennen? Schreib ein Kommentar mit deiner Antwort.

Alles Liebe,
Raphael

Quellen:
Gewaltfreie Kommunikation: Eine Sprache des Lebens
Youtube Channel von Klaus Karstädt

Fotos
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