Lerne deinen stärksten Verbündeten kennen (zusammen meistert ihr jede Herausforderung)

Lass mich dir einen deiner stärksten Partner im Leben vorstellen:

Dein Unbewusstes.

Das Unbewusste?

Bevor ich mein Unbewusstes näher kennen gelernt habe, war unser Verhältnis belastet.

Mir schien, als würde mir mein Unbewusstes durch hinderliche Gefühle und Reaktionen Felsbrocken in den Weg legen.

Angst.

Unsicherheit.

Scham.

Wie ist deine Beziehung zu deinem Unbewussten?

Wenn du den Eindruck hast, dass es nicht tut, was du willst – dann ist dieser Artikel dir gewidmet.

Dein Unbewusstes will nämlich das Beste für dich – auch wenn es nicht immer so scheint.

Es ist ein Teil in dir, der dir wertvolles Feedback gibt, dich unterstützt und dir manche Dinge sehr erleichtert. Zusammen rockt ihr euer Leben.

Der erste Schritt, eine Partnerschaft mit deinem Unbewussten aufzubauen, ist, es näher kennen zu lernen.

Was ist eigentlich das Unbewusste?

Darauf gibt es keine eindeutige Antwort. Viele kluge Menschen haben sich darüber Gedanken gemacht, die zu unterschiedlichen Schlüssen kamen.

Beginnen wir mit Sigmund Freud.

sigmund-freud-400399_640Er ist sozusagen der Vater des Unbewussten. ¹

Das Unbewusste als Kessel brodelnder Triebregungen

Freud glaubte, das Unbewusste sei ein Bereich des Menschen, in dem konfliktbehaftete Gedanken und Gefühle verdrängt würden. (Nicht gerade ein Traumort). Im Unbewussten sind diese Konflikte versteckt und wirken nicht sichtbar auf das Verhalten des Menschen ein.

Die Konflikte können laut Freud dadurch gelöst werden, indem diese bewusst gemacht werden.  

Daraus schloss Freud den Leitsatz für die damalige Psychoanalyse:

“Aus Es (unbewusst) muss Ich (bewusst) werden.”

Es repräsentiert unbewusste Triebe, Gedanken und Gefühle. Das Ich stellt das bewusste Denken dar, das zwischen diesen Gedanken, Gefühlen und Trieben vermittelt.

Freuds Annahmen über das Unbewusste und Bewusste waren ein Anfang, aber auch umstritten.

Wer hat außer Freud noch durch seine Theorien das Unbewusste geprägt?

Das Unbewusste als Hort kaum genutzter Erfahrungen

Zu einer ganz anderen Sicht auf das Unbewusste kam Milton Erickson der Begründer der Hypnotherapie. Alle unsere Kompetenzen, Gefühle und Erfahrungen, die wir brauchen, um glücklich zu sein, sind in unserem Unbewussten gespeichert – auch wenn wir sie kaum nutzen.

Milton Erickson sah das Unbewusste als eine Art Schatztruhe für kaum genutzte Erfahrungen.

Milton Erickson sah das Unbewusste als eine Art Schatztruhe für kaum genutzte Erfahrungen.

Warum sind wir dann nicht immer glücklich?

Das führte Erickson auf starre Denkmuster und mangelnde Kreativität unseres Bewusstseins zurück.

Für ihn ist es also umgekehrt: Nicht das Unbewusste ist es, das Probleme verursacht, sondern die Starrheit des bewussten Denkens!

In Therapie und Beratung sollen die Erfahrungen und Kompetenzen des Unbewussten aktiviert und genutzt werden.

Folgende Metapher beschreibt Milton Ericksons Verständnis des Unbewussten:

Eines Tages kam ein ausgelaufenes Pferd zu einem Bauernhof. Das Pferd hatte keinerlei Markierungen. Nichts wies darauf hin, woher das Pferd stammen könnte. Der Bauer wollte das Pferd nicht einfach übernehmen – er wusste, es würde jemanden fehlen. Also sattelte er es und führte es zur Straße.

Auf der Straße überließ er das Pferd völlig für sich. Es ging sicher seines Weges. Der Bauer führte das Pferd nur, wenn es auf die Wiese trabte, um zu fressen. Dann lenkte er es wieder auf die Straße.

Irgendwann kamen die beiden an einem Bauernhof an. Der Bauer auf dieser Farm sah verwundert das Pferd. Er sagte, er habe nicht mehr damit gerechnet, das Pferd wiederzusehen. Er fragte den Mann, wie er den Weg hierher gefunden hatte und woher er wusste, dass dies sein Pferd sei. Der Mann antwortete, dass er das Pferd einfach sich selbst überlassen hatte und es ihn so hierher geführt hatte.

Wenn wir aufhören, unser unbewussten Prozesse durch unsere starren Denkmuster zu stören, führt es uns.

Milton Ericksons und Sigmund Freuds Sichtweisen könnten sich kaum mehr Widersprechen. Sigmund Freud sah ihm Unbewussten eine Art dunkle Orgie mit viel Sex, Drugs und Rock’n’Roll. Milton Erickson beschrieb das Unbewusste als Lagerhaus, in dem wertvolle Erfahrungen verwahrt werden, die als Ressourcen genutzt werden können.

Sigmund Freud sah im Unbewussten eine Art dunkle Orgie mit viel Sex, Drugs und Rock’n’Roll. Milton Erickson beschrieb das Unbewusste als Lagerhaus, in dem wertvolle Erfahrungen verwahrt werden.

Milton Erickson stellt das bewusste Denken als einen unkreativen Türsteher dar, der das Lagerhaus versperrt. Sigmund Freud im Gegensatz dazu betrachtete das bewusste Denken als Steuerungsinstanz und Vermittler.

Eins haben Freud und Erickson gemeinsam: Sie beschreiben jeweils einen Teil unserer Psyche als eingeschränkt (ein bisschen deppert halt). Für Milton Erickson war das unser bewusstes Denken und für Sigmund Freud unser Unbewusstes.

Diese Sichtweisen hatten zu ihrer Zeit ihre Berechtigung, sind jetzt aber nicht mehr hilfreich. Stephen Gilligan und andere erfahrene Therapeuten prägen eine neue Sicht auf das Unbewusste und Bewusste:

Weder bewusst noch unbewusst sind besser: Beide sind gleichwertig.

Das Unbewusste kümmert sich um alles, wofür das bewusste Denken keine Kapazitäten hat. Atmung, Herzschlag, Adrenalin, alle automatische Abläufe, die uns das Leben erleichtern. Es will das Beste (= Überleben) für uns und besteht aus einem reichen Erfahrungsschatz. Alles, was du je erlebt, gesehen oder dir vorgestellt hast, ist in deinem Unbewussten gespeichert und stellt somit auch eine mögliche Ressource dar.

Warst du schon mal glücklich?

Ja?

Das heißt, du hast die Kapazität glücklich zu sein in dir. (Genau so wie du Radfahren nicht verlernst.)

Wenn du einmal in deinem Leben glücklich warst, hast du diese Kapazität in dir und kannst sie nicht mehr verlernen.

Wenn das Unbewusste vor einer Herausforderung steht, die es auf gewohnten Wegen nicht bewältigen kann, entsteht Bewusstsein für diese Herausforderung.

Womöglich in Form eines Gefühls, das du bewusst wahrnimmst.

Scham/Schuld.

Angst.

Herzklopfen.

Oder nur ein Zittern.

An dieser Stelle ist unser Bewusstsein gefragt. Wie geht es mit dem Signal aus dem Unbewussten um?

Wie unser Bewusstsein damit umgeht, hängt wesentlich vom Bewusstseinszustand ab:

Unser Bewusstsein zeichnet sich durch viele verschiedene Bewusstseinszustände aus. Drei sehr bekannte Zustände sind der Kampf-, Flucht- und Todstellerflex. Diese Zustände sind Reaktionen auf Stress, die in unserer Zeit als Jäger und Sammler nützlich waren.

In diesen drei Zuständen verengt sich die Aufmerksamkeit und richtet sich auf die Gefahr. So gelingt eine mögliche Flucht oder ein Kampf viel eher. Unsere Kreativität und Achtsamkeit wird allerdings unterdrückt.

Unsere heutigen Herausforderungen sind aber anderer Natur als früher zu Jäger und Sammlerzeiten. Heute sind es komplexe, psychische Problemstellungen, die unsere Kreativität und Achtsamkeit erfordern. Deswegen sind Flucht-, Kampf- und Todstellreflex unter den heutigen Lebensbedingungen eine ungeeignete Reaktion auf die meisten Herausforderungen.

Wann wurdest du das letzte Mal von einem Tiger bedroht?

Wann wurdest du das letzte Mal von einem Tiger bedroht?

 

Um unsere Schwierigkeiten zu meistern, brauchen wir einen weiten Blick – etwas Abstand von dem, was wir als Problem empfinden und Ressourcen, die wir mit dem Problemmuster verknüpfen.

Eine solche Ressource kann z.B. eine Erinnerung an einen Kontext sein, in dem ich Selbstvertrauen empfinde. Aber auch Selbstmitgefühl kann eine Ressource sein, die Schmerz und leidvolle Muster transformiert.

Unsere Aufgabe ist es, Herausforderungen in einem achtsamen und etwas neugierigen Bewusstsein zu halten. So weitet sich die Aufmerksamkeit und das Unbewusste wird angeregt, “das Lagerhaus“ nach nützlichen Ressourcen und Erfahrungen zu durchsuchen.

Was macht einen guten Dialog zwischen Unbewusst und Bewusst aus?

Weder das Unbewusste noch das bewusste Denken sind völlig eingeschränkt. Beide haben ihre Beschränkungen – gemeinsam im Dialog können sie diese Beschränkungen aber überkommen (und dir helfen, deine Herausforderungen zu rocken.)

Wann also funktioniert die Zusammenarbeit zwischen Bewusst und Unbewusst nicht?

  • Wir stellen Forderungen an unsere Gefühle: “Ich will mich jetzt sofort nicht mehr so fühlen!”

Wenn das bewusste Denken Forderungen macht, wird es starr. Es kann nur eine Option akzeptieren und versucht etwas krampfhaft zu erreichen.

In diesem Modus ist unser Bewusstsein fundamentalistisch. Es will das Eine, aber nur das Eine und das Andere ist schlecht.

Diese Art von Bewusstsein verengt den Blick und macht den Zugang zum Erfahrungsreichtum des Unbewussten schwer. So friert das leidvolle Erlebnismuster ein und wiederholt sich ständig.

Achtsamkeit auf der anderen Seite zeichnet sich dadurch aus, dass jede Empfindung, jeder Gedanke – egal, ob angenehm oder unangenehm – im Bewusstsein gehalten wird, ohne diese/n zu bewerten. Alles darf sein. Alles hat seinen Platz.

In diesem Zustand des Bewusstseins ist ein fruchtbarer Dialog mit unserem Unbewussten wahrscheinlicher. Die Aufmerksamkeit wird weit und somit die Chance größer, dass kreative Ressourcen gefunden werden.

Eine Beispielressource im Falle von Scham kann z.B. das Bedürfnis dazu zu gehören sein und die Erinnerung, wie in Ordnung dieses Bedürfnis ist.

Das macht einen guten Dialog und Austausch zwischen deinem bewussten Denken und deinem Unbewussten aus:

  • Gehe mit deinem Unbewussten so um, wie du willst, dass mit dir umgegangen wird. Stelle Bitten anstelle von Forderungen und drücke deine Wertschätzung aus, wenn dein Unbewusstes dir Feedback gibt.
  • Sei achtsam – alles darf sein.
  • Sei neugierig und offen, worauf dich dein Unbewusstes hinweisen will.

Manchmal braucht es andere Menschen, die mit ihren Fragen diese achtsame Neugier in uns Raum geben. Manchmal braucht es einfach nur eine Meditation oder Sport.

Mit diesem Artikel will ich nicht sagen, dass du durch Meditation alle deine Probleme sofort lösen wirst. Nein, mitunter braucht es viel Zeit. Du lernst aber, deine Probleme und Herausforderungen anders zu tragen.

Nicht die Schwere des Rucksacks zieht dich runter, sondern die Art und Weise wie du ihn trägst.

Lou Holtz

Indem du diese achtsame Neugier kultivierst, wirst du langfristig eine Beziehung zu deinem Unbewussten aufbauen, die dir hilft, deine Herausforderungen zu meistern.

Fazit

Weder unbewusst noch bewusst sind besser oder schlechter. Beide sind gleichwertig und wertvoll für ein glückliches Leben. Der Dialog in dem sich das Bewusste und Unbewusste befinden (oder nicht befinden), ist entscheidend, um Herausforderungen nachhaltig zu bewältigen.

Ein Bewusstsein, das Erwünschtes als auch Unerwünschtes achtsam wahrnimmt, ohne es zu bewerten, scheint am förderlichsten zu sein, um an unbewussten Ressourcen anzuknüpfen.

So bewältigen wir unsere Themen nachhaltig in Zusammenarbeit mit unserem Unbewussten.

Das war nicht das einfachste Thema. Ich denke aber es ist wichtig und gibt uns Inspirationen im Umgang mit unseren Herausforderungen und Problemen.

Was ist deine Top Erkenntnis die du dir aus diesem Artikel mitnimmst? Schreibe einen Kommentar!

Alles Liebe,
Raphael

Fußnoten:

¹ Naja, es gab schon Menschen vor ihm, die einen solchen Teil im Menschen beschrieben, doch Sigmund Freud brachte es durch seine Theorien erstmals ins Zentrum der Aufmerksamkeit.

Schreib was dich bewegt: