8 Erkenntnisse, die dir helfen, bereichernde Gespräche zu führen

Niemand hört zu, alle warten nur auf die Gelegenheit selbst zu sprechen.

Du hast das Gefühl, der andere hat eine Maske auf - sagt, was du hören willst.

Keine Verbindung, keine Bedeutung - eine Show im besten Falle.

Was ich für meine Gespräche will, ist ein aufrichtiger Kontakt von Mensch zu Mensch - ohne Maske. Authentizität. Jeder in seiner einzigartigen Seltsamkeit. Mit Humor und über Themen mit denen ich mich identifizieren kann - die mir etwas bedeuten.

Das ist vielleicht nicht immer möglich, dennoch nehme ich mir auf Parties, Konferenzen etc. vor, solche Gespräche zu führen. Sie inspirieren mich und mir tut der Kontakt zu anderen gut. Ich genieße es einfach, echt zu sein - ohne Maske.

Deswegen habe ich meine Erfahrungen durchforstet: Was kann ich konkret tun, um Gespräche auf eine “tiefere” Ebene zu bringen - bedeutungsvoll zu machen?

Ich habe in diesem Artikel auch die Meinung/Weisheit vieler verschiedener Autoren zusammengetragen. Hier findest du 10 Tipps, um ein Gespräch bedeutungsvoll zu machen.

Bist du bereit? Langweilige Gespräche ade? Hier ist der erste Tipp:

Für einen Dialog braucht es Menschen, die zuhören...

Kennst du Gespräche, in denen keiner wirklich zuhört? Wenn beide auf die nächste Gelegenheit warten, ihre eigenen Gedanken auszuspucken? Welche oft wenig damit zu tun haben, was die andere Person zuvor gesagt hat?

Vielleicht kennst du auch andere Gespräche: In denen dein Gegenüber zuhört und ganz bei dir ist.

Zuhören ist ein großartiger Weg, mit deinem Gegenüber in Kontakt zu treten.

Es zeigt Respekt, Wertschätzung und Interesse an der anderen Person.

Wenn du zuhörst, sei präsent und werte nicht über die Person, oder was die Person sagt.

So schaffst du einen Raum in dem Spaß, Kreativität und Verbindung ganz natürlich fließen können.

Öffne Gespräche mit einer positiven Note

Es ist verführerisch ein Gespräch z.B. mit dem Satz zu beginnen:

“Das Buffet ist schrecklich, da hätten sie sich echt mehr Mühe geben können.”

Wie wahrscheinlich ist es, dass du in einem Gespräch bleiben willst, wenn es auf diese Weise beginnt?

Ich habe selbst schon zahlreiche Gespräche so eröffnet.

Viel schöner finde ich allerdings, Gespräche mit einer positiven Note zu beginnen.

“Hast du schon den Hummus probiert? Schmeckt großartig!”

Es macht einen Unterschied, was du fragst und wie du fragst.

“Hast du einen Blog?”
“Bist du ein Unternehmer?”

Mit solchen Fragen lädst du deinen Gegenüber ein, mit Ja oder Nein zu antworten. Das ist keine Basis für ein interessantes Gespräch.

Stelle offene Fragen, die etwas ungewöhnlich und überraschend sind - die deinen Gegenüber zum Nachdenken anregen. Das macht ein Gespräch interessanter.

“Was war die weitesteste Strecke, die du mit deinem Klavier gefahren bist?”

Das habe ich Joe Löhrmann von mytravelingpiano.com gefragt und er meinte 10 Kilometer! Gut, das hat ihn jetzt nicht zum Nachdenken angeregt. Aber die Frage hat “Bewegung” und Spaß in unser Gespräch gebracht.

Marshall Rosenberg war bekannt dafür, diese Frage zu stellen:

“What’s most fun in your life right now?”

“Was macht dir in deinem Leben zurzeit am meisten Spaß?”

Die Frage stelle ich auch gern. Kaum einer kann darauf spontan antworten. Durch das Nachdenken und reflektieren, bekommen die Gespräche durch die Frage eine gewisse Tiefe.

Es macht nicht nur einen Unterschied, was du fragst, sondern auch wie du fragst. Ruth Cohn, Begründerin von der Themen-Zentrierten-Interaktion, warnt vor den Konsequenzen jemanden “auszufragen”.

“Was arbeitest du?”
“Wie alt bist du?”
...

Das können Fragen sein, die anderen Menschen das Gefühl geben, sie werden befragt (und beurteilt).

Wenn du Fragen stellst, tu es nicht in der Haltung eines Ausfragenden, sondern in einer wertfreien, offenen Haltung.

Der größte Gesprächskiller

Flüchtlinge sind so und so.
Der Pilot von Germanwings so und so.
Der Nachbar ist so und so.
Die Gesellschaft so und so.
Die Politik so und so.

Kennst du solche Gespräche?

Urteile über andere sind für mich der größte Gesprächskiller.

Viele unterhalten sich gern über solche Themen, doch was ist der Gewinn?

Ist Politik wirklich so und so? Können wir über Politik urteilen, ohne selbst Politiker zu sein? Ist der Nachbar wirklich so und so? Können wir über den Nachbarn urteilen, ohne genau seine Motive zu kennen?

Anstatt über andere zu sprechen/urteilen, ist es doch viel interessanter zu wissen: Was macht das mit dir?

Was macht das mit dir, wenn die Politik dies und das macht?
Was macht das mit dir, wenn die Gesellschaft dies und das macht?

Ich will nicht deine Urteile hören. Ich will wissen, was in dir bewegt wird. Ich will mich auf deine Erfahrung beziehen können: Ich weiß, was es heißt, Schmerz oder Wut bezogen zur aktuellen Politik zu fühlen. Das ist menschlich. Es verbindet uns.

Wofür bist du dankbar?

Meistens, wenn Politik und Gesellschaft diskutiert werden, geht es darum, was schlecht läuft.

Warum sich nicht mal darüber austauschen, was gut läuft und wofür wir dankbar sind?

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Vielleicht hast du von diesem kleinen Fischerdörfchen Riace in Italien gehört. Das Dorf heißt alle Flüchtlinge Willkommen und das Zusammenleben funktioniert super: Kein Protest. Nix.

Davon habe ich in einem Gespräch erzählt. Und die anderen haben von anderen Projekten erzählt. Wir unterhielten uns zwei Stunden darüber, welche Projekte wir kennen, die etwas zum gesellschaftlichen Wandel beitragen. Unsere Augen leuchteten, wir inspirierten uns gegenseitig.

Als wir vom Tisch aufstanden, waren wir alle bereichert durch den Kontakt, die Hoffnung und die Dankbarkeit, die in unserem Gespräch entstanden.

Nimm die Haltung des Lernenden ein

Wir können von allen Menschen lernen. Alle Menschen haben einen großen Erfahrungsschatz in sich. Du kannst diesen heben.

Mit dieser Einstellung kommst du automatisch in eine authentische, interessierte Haltung.

Kürzlich habe ich eine Kreativtherapeutin getroffen, mit der ich einen gemeinsamen Bekannten hatte. Sie erzählte mir von ihm und sagte, er sei der einzige Praktikant, der ihr in Erinnerung blieb. Er hörte immer mit Interesse und Neugier zu und wollte mehr über ihre Geschichten und ihren Werdegang wissen. Sie habe diese Gespräche immer sehr genossen.

Nimmst du die Haltung eines Lernenden ein, sind andere gern bei dir, weil du ein authentisches Interesse an ihnen zeigst.

Sei verletzlich

Verletzlichkeit heißt ja zu sagen zu allen Gefühlen und Bedürfnissen, die gerade da sind und dich so zu zeigen.

Verletzlichkeit heißt aufzugeben, wer man sein sollte und zu werden, wer man ist.

Misserfolge, Herausforderungen und schwierige Erfahrungen. Teile sie mit anderen - überschütte sie nicht - aber wenn es passt, öffne dich. Zeig dich menschlich mit deinen Herausforderungen als auch mit deinen Erfolgen.

Meine Eltern waren, was das angeht, meine Lehrmeister: Sie waren auf einem Städtetrip mit meinem Onkel und meiner Tante. Nach dem Städtetrip kehrten sie in einem Restaurant ein und lachten viel. Da sagte meine Tante: “Bei euch fühle ich mich besonders, da kann ich einfach so sein, wie ich bin.”

In Alltagsgesprächen entsteht so selten ein Raum, in dem man ganz natürlich einfach man selbst sein kann.

Wir be-schweren uns über andere.
Wir wollen andere beeindrucken.
Wir wollen anderen gefallen.
Wir reden überhaupt mehr über unsere Urteile, die wir über andere haben, als über uns selbst.

Deswegen, wenn du in einem Gespräch bist, sei du selbst - auf deine einzigartige, seltsame Art und Weise. So trägst du zu einer Atmosphäre bei, in der Menschen natürlich und leicht echt sein können.

Radikale Ehrlichkeit

Verletzlich sein hat auch sehr viel mit Ehrlichkeit zu tun: Sag, was du meinst, fühlst und brauchst - nicht was eine Stimme in dir sagt, das du sagen solltest.

Ehrlich sein kannst du auf mindestens zwei verschiedenen Wegen: Du kannst mitteilen, was du denkst - deine Urteile, Gedanken und Bewertungen. (Wie in dem Film unten).

Du kannst auch ehrlich sagen, was du fühlst und brauchst und deine Urteile so in Bedürfnisse übersetzen..

Das kostet zunächst etwas Überwindung - ist die Überwindung aber meistens wert. :)

Du findest dich dennoch in einem langweiligen Gespräch wieder?

Nicht jedes Gespräch kann ein Hit werden. Wende die Erkenntnisse dieses Artikels an. Nimm die Haltung eines Lernenden ein. Stelle außergewöhnliche Fragen.

Vielleicht zündet das Gespräch trotzdem nicht. Kein Ding. Sobald du merkst, dass du keine Lust hast, gib dir die Erlaubnis, auszusteigen und verabschiede dich. Wenn du das Gespräch nicht genießt, genießt es auch dein Gegenüber nicht.

Hier findest du einige Wege, ein Gespräch angemessen zu beenden.

Das war für mich ein bewegender Artikel. Ich habe mich, während ich diesen Artikel schrieb, an viele sehr bereichernde Unterhaltungen erinnert. Ich bin unheimlich dankbar, dass ich diese Unterhaltungen führen durfte.

Jetzt geht meine Frage an dich: Was sind Unterhaltungen, die dich unheimlich bereicherten? Und was hat dazu beigetragen, dass du die Unterhaltung so erlebt hast?
Schreib einen Kommentar.

Ich freu mich, von dir zu hören.

Alles Liebe,
Raphael

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  • es fällt dir leicht dich rasch zu zentrieren
  • andere schätzen und genießen dein Präsenz in Gesprächen
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  1. René Klampfer Antworten

    Lieber Raphael,

    Jede Begegnung und jedes Gespräch kann eine Bereicherung für das Leben sein. Ich bin der Meinung, dass man aus jedem Gespräch etwas für sich selbst mitnehmen kann bzw. dem Gegenüber geben kann. Du hast es mit dem „Lernenden“ perfekt auf den Punkt getroffen. Auch das mit dem „Ausfragen“ habe ich selbst zu oft erlebt. Das Gespräch kommt auf eine unangenehme Ebene, auf der es an Emotionen mangelt – und das finde ich schade, denn wir sind ja Menschen. Wir blühen auf, wenn wir positive Emotionen erleben. Es ist auch eine Sache des Respekts, dem Gegenüber nichts vormachen zu wollen. Wenn ich eine Rolle spiele, wie kann mich mein Gegenüber als einen aufrichtigen Mensch annehmen? Es ist ja genau das Zwischenmenschliche, das Begegnungen so wertvoll machen und nicht irgendwelche typischen Fragen oder Aussagen, die nur zum Ziel haben, dass man unaufhörlich plappert.
    Danke für den tollen Artikel und die tollen Videos!

    Liebe Grüße,
    René Klampfer

  2. Raphael Antworten

    Lieber René,

    vielen Dank für deinen gehaltvollen Kommentar! Stimme dir 100% zu. 🙂

    Liebe Grüße,
    Raphael

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