Tappst du in diese 5 Fallen, wenn du um etwas bittest?

Viele Bitten, die wir täglich stellen, sind wenig konkret, nicht hilfreich und manchmal sogar paradox. Damit verwirren wir andere und frustrieren uns selbst.

Du willst Bitten stellen, die auch ankommen und gerne erfüllt werden?
Oder du hast den Eindruck, Leute verstehen deine Bitten nicht?

In diesem Artikel findest du 5 Fallen, in die Menschen tappen, wenn sie um etwas bitten.

Nach jeder Falle, gibt es einen kurzen Absatz mit einer alternativen Formulierung.

Bist du bereit, deine Bitten zu verbessern?
Los geht’s:

 

Deine Bitte ist verneint

Eine verneinte Bitte gibt keine Information darüber, was du eigentlich willst.

„Bitte arbeite nicht so viel am Blog.“

Wenn du mich das bitten würdest, würde ich sagen: „passt“ und dafür vielleicht mehr an meinen Seminaren arbeiten oder mich mit Freunden treffen oder Tennis spielen lernen.

Doch was war dein Wunsch hinter der Frage? Dass ich weniger arbeite, erfüllt nicht zwangsweise dein Anliegen.

Möglicherweise ist dein Wunsch mehr Nähe zu mir (oder deinem Partner).
Dann hättest du keine Freude, wenn dein Partner auf die Frage hin Tennis spielen lernt.

Eine positiv formulierte Bitte informiert deinen Gegenüber über deinen Wunsch.

„Bitte gehe mit mir am einmal in der Woche aus.“

Wenn die Beziehung stimmt, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ich die Bitte auch erfülle.

 

Du bittest abstrakt

Was heißt das: abstrakt bitten? Hört sich kompliziert an, ist es aber nicht: Eine abstrakte Bitte ist nicht konkret machbar. Sie fragt ein Verhalten ab, das nicht klar definiert ist.

“Bitte respektiere mich.”

Dir ist noch nicht klar, wo hier die Unklarheit liegt?

Bittest du mich, dass ich dich respektieren sollte, dann stellt sich mir die Frage:

“Wie denn? Ich respektiere dich ja.”

Für den einen ist respektieren etwas anderes als für dich.
Solltest du wiederum eine klare Bitte stellen wollen könntest du bitten:

“Bitte lass mich zu Ende reden.”
“Bitte grüße mich am Gang zurück.”

Hier beziehst du dich in deiner Bitte auf einen Kontext und formulierst sie so, dass es für den Empfänger klar ist, welches konkrete, machbare Verhalten du dir erwartest.

 

Deine Bitte verhindert spontanes Verhalten

Ein Mann geht mit seiner Frau nur selten tanzen. Und immer wenn sie gehen, dann nur auf ihre Bitte hin. Irgendwann ist dann jeder einmal versucht, folgende Bitte zu stellen:

“Ich hätte gerne, dass du auch mal freiwillig, also von dir aus, mit mir tanzen gehst”

Die Sehnsucht ist groß, die Frage verständlich, aber die Wirkung: In dieser Bitte wird ein sonst spontanes Verhalten erbeten.

Paul Watzlawick nennt das die Sei-Spontan-Paradoxie: Nach dieser Frage ist es für den Mann unmöglich, mit der Frau von sich aus – spontan – tanzen zu gehen, ohne ihrem Appel zu folgen.

Die alternative Formulierung? Sorry, für diesen Wunsch fällt mir keine Erfolg versprechende Bitte ein. Hast du danach eine große Sehnsucht, bist du in einer Zwickmühle. Vielleicht findest du in diesem Artikel eine Inspiration.

 

Deine Bitten sind unpräzise (keine Ort- und Zeitangaben)

„Bitte lass uns einmal pro Woche für 60 Minuten ausgehen“ ist präziser als „bitte lass uns mehr Zeit miteinander verbringen.“

Präziser heißt nicht gleich besser. Aber je präziser du eine Bitte formulierst, desto mehr Informationen hat dein Partner und umso eher setzt ihr die Bitte auch konkret um.

 

Du stellst eine Forderung

Forderung heißt: „Du machst das – basta.“

In manchen Kontexten können Forderungen sinnvoll sein, wenn z.B. das Verhalten von jemandem Schaden verursacht.

In intimen und engen Beziehungen haben Forderungen in der Regel aber nichts zu suchen. Sie schwächen das Vertrauen und führen oft dazu, dass sich Partner gegenseitig abwerten.

Forderungen sind nicht immer sofort erkennbar. Sie verkleiden sich nämlich manchmal als Bitten:

A: “Bitte lass uns nach Kroatien in Urlaub fahren.
B: “Ne, ehrlich – interessiert mich nicht so.“
A: “Dir ist ganz egal, was ich will!“

Kennst du das von dir? Du stellst eine Bitte, einen sehr berechtigten Wunsch und die Person sagt einfach:

„Nein.“

Das ist der Bewährungsmoment deiner Bitte.

Kannst du das Nein akzeptieren und so signalisieren: „Ich respektiere deine Meinung?“

Ich spüre schon deine nächste Frage: Warum zum Kuckuck sollte ich das Nein auf meinen Wunsch akzeptieren?

Ganz einfach:
1. Du kannst niemanden mit legalen Mitteln zu etwas zwingen
2. Solltest du jemanden doch irgendwie dazu bringen, erfüllt sie oder er den Wunsch nicht gerne
3. Respektierst du die Wünsche deines Gegenübers, könnt ihr auf wertschätzender Basis nach gemeinsamen Lösungen suchen. Nach Lösungen, die beide Wünsche voll berücksichtigen.

Damit meine ich keinen faulen Kompromiss, sondern eine Lösung mit der ihr beide voll zufrieden seid. Natürlich klappt, das nicht immer. Aber die Haltung erhöht die Wahrscheinlichkeit.

Eine Bitte ist es dann, wenn ich ein „Nein“ auf meine Bitte respektieren kann.

 

Lass deinen Gegenüber wählen

Ein paar Tipps will ich dir noch geben, um jemanden erfolgreich für etwas zu bitten (ohne das Vertrauen zu brechen):

Baue in deine Bitten konkrete Wahlmöglichkeiten ein.

Menschen haben ein ausgeprägtes Bedürfnis nach Autonomie. Wir wollen selbst entscheiden. Eine Bitte mit konkreten Wahlmöglichkeiten wird viel eher von Herzen erfüllt.

So eine Bitte könnte z.B. so aussehen:

“Kannst du mich bitte vom Bahnhof abholen? Ich verstehe, wenn du müde bist vom Arbeitstag. Solltest du aber trotzdem Zeit finden, freu ich mich, wenn nicht, macht nichts.”

Solltest du das sagen wollen, hätte das den Vorteil, dass der andere dir den Gefallen aus freien Stücken machen kann. Ohne Pflichtgefühl. Ohne Forderung. Das stärkt die Beziehung und erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass dein Wunsch erfüllt wird.

 

Fazit

Deine Bitte sollte konkretes Verhalten ansprechen, möglichst präzise und positiv formuliert sein.

Paradoxe Bitten bringen dich und deinen Gegenüber in unangenehme Zwickmühlen.

Forderungen schwächen das Vertrauen in Beziehungen im Gegensatz zu Bitten, in denen ich ein Nein akzeptieren kann.

Jetzt bist du gefragt: Welche Falle war dir noch nicht bewusst? Was willst du als erstes umsetzen, wenn du das nächste Mal um etwas bittest? Schreibe ein Kommentar mit deinen Antworten.

 

Alles Liebe,
Raphael

Quellen und mehr zum Thema:
Miteinander Reden Schulz von Thun
Gewaltfreie Kommunikation Rosenberg
42 Schlüsselunterscheidungen – Liiv Larson

  1. Gila Antworten

    Hallo Raphael,
    Schöner Artikel, der sehr klar herausstellt wann eine Biitte die größte Chance auf Erfüllung hat. Ich arbeite schon einige Jahre mit GfK und wertschätzender Kommunikation. Es ist immer wieder erstaunlich welche Wirkung eine Bitte haben kann. Ich selbst arbeite immer noch daran positiv zu formulieren und meine Bitte klar und präzise auszudrücken. Wenn ich deine Beispiele lese ist deutlich der Unterschied zu spüren.
    Beste Grüße
    Gila

    • Raphael Antworten

      Hallo Gila, danke für dein Kommentar. Ja eine kleine Veränderung der Bitte macht einen großen Unterschied in der Wirkung. Deswegen finde ich das Thema auch sehr spannend. 🙂

      Beste Grüße,
      Raphael

  2. Grisu Antworten

    Hoi Raphael,

    … um deine (Thema)frage zu beantworten. Ja – immer wieder 😉
    Aber ich versuche es mir bewusst zu machen – falls es mir auffällt – und zu verbessern.
    Es ist nicht so leicht … da uns unsere Eigenheiten oft im Alltag nicht auffallen.
    Daher danke ich dir für dieses Sätze – sie regen einfach wieder zum Nachdenken an.

    • Raphael Antworten

      Hey Grisu,

      danke für dein Kommentar. Ja wir drehen alle „Ehrenrunden“ in solchen Sachen. Das finde ich voll OK und können wir gar nicht verhindern 🙂

      Alles Liebe,
      Raphael

  3. Verena Antworten

    Hallo Raphael,
    ich kenne den Satz “Ich hätte gerne, dass du auch mal freiwillig, also von dir aus, mit mir tanzen gehst” nur zu gut 🙂 und mir ist auch nichts besseres eingefallen.
    ABER 🙂 wenn man ihn hin und wieder ins Gespräch einstreut und du einen liebenden Partner hast, wird er zwar zuerst sehr UN-SPONTAN versuchen das zu erfüllen.
    Vergehen dann Tage, Wochen und Monate wird aus un-spontan langsam immer mehr SPONTAN. Ich denke nicht mehr an meine Aufforderung (weil er es ja manchmal unspontan erfüllt) und damit, dass meine Bitte auffhört, hat es bei ihm die Möglichkeit zu wirken.
    Nach ca. einem Jahr glaub ich 😉 Hab ich das subjektive Gefühl, dass es ihn spontan überkommt, dass er mich zum Tanzen auffordert 🙂
    Also allen Frauen: Alles Gute trotzdem mit der „falsch“ formulierten Bitte! 😉
    Mit viel Feingefühl, wann man aufhören muss darum zu bitten, können manche tiefen Wünsche tatsächlich erfüllt werden.

    alles Liebe
    Verena

    • Raphael Antworten

      Hey Verena, danke für deinen Kommentar!

      Finde ich toll, dass du das aufgreifst. Ich kann mir gut vorstellen, dass wenn man solche Bitten hin und wieder einstreut, das Verhalten zuerst noch unspontan, dann aber immer spontaner wird. 🙂

      Danke, dass du falsch in Anführungszeichen setzt. Fühle mich verstanden. 🙂

      Alles Liebe,
      Raphael

      PS: Ich arbeite an den Smileys – danke für den Hinweis. Solche Hinweise sind mir immer willkommen!

  4. Verena Antworten

    PS: falls du noch an deinem Programm feilen willst 😉 könntest du das umstellen, dass es vor und nach jedem Smily einen Absatz macht?

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