Warum ein Misserfolg kein Rückschritt ist!

Ich fuhr mit meinem Fahrrad nach Hause, als ich merkte, dass ich die falsche Abzweigung genommen habe. Es war Nacht, es gab kaum Licht bis auf das leichte Leuchten meines Radlichts und ich war schwer beladen. 30 Kilometer hatte ich schon hinter mir. 10 weitere lagen noch vor mir, um Zuhause anzukommen.

Um so frustrierender die Erkenntnis: Ich war durch eine falsche Entscheidung 5 Kilometer zurückgefahren und wieder an einer frühere Stelle meines Weges angelangt.

Was mir hier beim Radfahren passiert ist, passiert im Leben öfter:

Wir hören auf zu rauchen und beginnen in einem ungünstigen Moment wieder.
Wir fühlen uns in sozialen Situationen sicherer und plötzlich ist da wieder eine Situation in der wir uns tollpatschig und unsicher fühlen.

Fallen wir wieder zurück zum Anfang? Ist ein Rückschritt die korrekte Metapher?

Ich gehe eine Straße entlang.
Da ist ein tiefes Loch.
Ich falle hinein.
Ich bin verloren.

… Ich bin ohne Hoffnung.
Es ist nicht meine Schuld.
Es dauert endlos, wieder hinauszukommen.

Ich gehe dieselbe Straße entlang.
Da ist ein tiefes Loch.
Ich falle wieder hinein.
Ich kann nicht glauben, schon wieder am gleichen Ort zu sein.
Aber es ist nicht meine Schuld.
Immer noch dauert es sehr lange, herauszukommen.

Ich gehe dieselbe Straße entlang.
Da ist ein tiefes Loch.
Ich falle schon wieder hinein…
aus Gewohnheit.
Meine Augen sind offen.
Ich weiß, wo ich bin.
Es ist meine Schuld.
Ich komme auch sofort wieder heraus.

Ich gehe dieselbe Straße entlang.
Da ist ein tiefes Loch.
Ich gehe darum herum.

Ich gehe eine andere Straße.

Dieser Text basiert auf einem Lied von Portia Nelson
There is a hole in my sidewalk

Nehmen wir an du bist drei Meter in die gewünschte Richtung gegangen. Dort fällst du womöglich in einen Graben und musst drei Meter wieder zum Ausgangspunkt gehen, um aus dem Graben klettern zu können. Jetzt könnte man meinen, du hast einen Rückschritt gemacht. Alles war umsonst, du bist wieder da, wo du am Anfang warst.

Doch ist das wirklich so?

Ja, du stehst wieder am Anfang.

Doch du bist nicht mehr der/dieselbe. Du bist jetzt um eine Erfahrung reicher, die du zuvor noch nicht hattest. Du bist die Erfahrung reicher, wie es ist, drei Meter in die gewünschte Richtung zu gehen.

Wenn du es drei Wochen geschafft hast, nicht zu rauchen und dann wieder damit beginnst: Bist du dann wieder am Anfang?

Nein, du bist um die Erfahrung reicher, wie du es schaffst, für drei Wochen aufhören zu rauchen!

Optimist: Jemand der nach einem Schritt nach vorn, einen Schritt zurück nicht als Rückschritt sieht, sondern als Chachacha.

rückschritt umgehen

Ein Optimist ist jemand, der nach einem Schritt nach vorne, einen Schritt zurück nicht als Rückschritt sieht, sondern als Chachacha.

Kein Ziel erreichst du linear also geradlinig. Der Weg zum Ziel führt über viele Misserfolge. Ein Misserfolg ist kein Rückschritt, sondern eine wertvolle Information darüber, was nicht funktioniert.

Wenn du einen Misserfolg erlebst, analysiere deine Entscheidungen, die dazu geführt haben und versuche das nächste Mal eine anderen Weg.

“I haven’t failed. I’ve found 10,000 ways that don’t work.” — Thomas Edison,

Als ich mit meinem Fahrrad wieder an die Weggabelung kam, an der ich zuvor falsch abgebogen war, wusste ich, welchen Weg ich dieses Mal nehmen musste.

Abhängig von deinen Zielen, entscheidest du oft auch aus Gewohnheit. Nimm es dir nicht Übel, wenn du manche ungünstige Entscheidungen wiederholt machst. Viele unsere Gewohnheiten sind tief in uns eingraviert. Es braucht eine Weile bis diese Bahnen in unserem Gehirn schrumpfen. Mit etwas Geduld, Ausdauer und einem achtsamen Bewusstsein gehst auch du am Loch vorbei und nimmst einen anderen Weg – wie im Liedtext weiter oben.

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Alles Liebe,
Raphael

Bildrechte: © frogtravel von Depositphotos

  1. Dario Antworten

    Direkt als ich die Überschrift gelesen habe, musste ich an Eddison denken, aber es stimmt. Jeder Fehltritt verändert uns etwas. Solange, bis wir diese Fehler nicht mehr machen 🙂

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